Klassifikation von Schlafstörungen

Einleitung

 „Schlafstörungen“ bezeichnen eine sehr große und heterogene, nur teilweise dem Bereich der psychischen Störungen zuzuordnende Gruppe von Krankheitsbildern. Es gibt verschiedenen Klassifikationssysteme, in denen Schlafstörungen eingeordnet werden: 

ICD - 10 (International Classification of Disorders, WHO, 1993)

ICSD (International Classification of Sleep Disorders, 1990 revised version

ISCD-R 1997)

DSM–IV-TR (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, American Psychiatric Association, 2000)

ICSD-2 (International Classification of Sleep Disorders, second edition, 2005)

 In der bisher geltenden ICD-10-Klassifikation werden die Schlafstörungen teilweise wenig plausibel der Gruppe F51 („nichtorganische Schlafstörungen“) oder G47 („Schlafstörungen“ im Rahmen des Kapitels „Krankheiten des Nervensystems“) zugeordnet. Sinnvoller und praktisch nützlicher ist die 2005 erschienene Klassifikation der Schlafstörungen nach ICSD-2 (International Classification of Sleep Disorders, 2nd edition). Es liegt bisher keine autorisierte Übersetzung ins Deutsche vor; die im Folgenden gewählten, vorläufigen Begriffe schliessen sich bestehenden Konventionen an.Die folgende Unterkapiteleinteilung folgt den ersten sechs Hauptkategorien der ICSD-2; die übrigen beiden („isolierte Symptome etc.“ und „andere Schlafstörungen“) werden aufgrund begrenzter allgemeiner Relevanz wenig berücksichtigt. Aus jeder Kategorie werden die nur die häufigen Krankheitsbilder erläutert.   

Die internationale Klassifikation der Schlafstörungen (ICSD)

In den siebziger Jahren wurde in den USA eine spezifische schlafmedizinische Klassifikation aufgestellt, die vor einigen Jahren durch die "International Classification of Sleep Disorders" abgelöst wurde; dieses Klassifikationssystem wird heute weltweit in der Schlafmedizin verwendet (ASDA 1990). 2005 wurde eine aktualisierte Version (ICSD-2) von der American Academy of Sleep Medicine herausgegeben. Es handelt sich um ein multiaxiales System, das es ermöglicht, Schweregrade, den Grad der diagnostischen Sicherheit, die zur Ermittlung der Diagnose angewendeten Verfahren, nicht-schlafbezogene Begleiterkrankungen und andere relevante Informationen zu verschlüsseln. Tabelle 1 gibt einen Überblick über die diagnostischen Kategorien der Achse 1 des ICSD-Systems.

In ISCD-2 nicht als eigenständige Kategorie berücksichtigt sind sekundäre Schlafstörungen, d.h. Schlafstörungen, die durch psychiatrische, neurologische oder andere Grunderkrankungen bedingt sind. 

Die 8 Gruppen von Schlafstörungen in ICSD-2 (Anzahl der zugeordneten Schlafstörungen):

1. Insomnien (11)

2. Schlafbezogene Atmungsstörungen (14)                             

3. Hypersomnien zentralen Ursprungs, nicht bedingt durch circadiane Rhythmusstörungen, schlafbezogene Atmungsstörungen oder andere Ursachen eines gestörten Schlafes (12)

4. Circadiane Rhythmusstörungen (9) 

5. Parasomnien (15)

 6. Schlafbezogene Bewegungsstörungen (8) 

7. Isolierte Symptome, augenscheinlich normale Varianten, und ungeklärte Probleme (9)

8. Andere Schlafstörungen (3)

Für fast alle Klassifikationssysteme, wie auch für das ICSD-2,  ist die Unterscheidung zwischen Insomnie und Hypersomnie grundlegend, da beide Begriffe sich in den Definitionskriterien vieler Schlafstörungen wiederfinden:

·                                 Insomnie: Der Schlaf wird als ungenügend erlebt, oder der Patient fühlt sich nach der üblichen Schlafzeit nicht erholt. Die soziale oder berufliche Leistungsfähigkeit kann in unterschiedlichem Maße beeinträchtigt sein. Begleitsymptome sind (je nach Schweregrad) Ruhelosigkeit, Reizbarkeit, Angst, Erschöpfung und Müdigkeit.

·                                 Hypersomnie (Schläfrigkeit): Tagsüber tritt exzessive Müdigkeit oder episodisches Einschlafen auf. In leichten Fällen ist dies nur in monotonen Situationen der Fall, in schweren Fällen kommt es auch in Situationen, die erhöhte Aufmerksamkeit erfordern, zum unwillkürlichen Einschlafen. Die soziale und berufliche Leistungsfähigkeit können je nach Schweregrad in unterschiedlichem Maße beeinträchtigt sein.

·                                 Dyssomniensind Schlafstörungen, die sich in Insomnie, Hypersomnie oder beidem manifestieren. Gemeinsames Merkmal ist also eine Beeinflussung der Quantität und/oder der Qualität des Schlafes.